Die meisten kleinen Händler fotografieren ihre Produkte auf dem Küchentisch, und der Unterschied zwischen laienhaften und professionell wirkenden Fotos liegt vor allem an vier Dingen: weiches Licht, ein nahtloser Hintergrund, eine ruhige Kamera und einheitliche Bearbeitung. Nichts davon braucht teure Ausrüstung.
Dieser Ratgeber zeigt ein Setup für zu Hause, das kaum mehr kostet als ein Bogen Fotokarton, dann die Handy-Einstellungen, Perspektiven und den Umgang mit Schatten, die Fotos gewollt aussehen lassen, und schließlich die Bearbeitung auf den reinweißen Hintergrund, den Marktplätze verlangen, oder zu einem transparenten Freisteller für deine eigene Website.
Was du brauchst
- Eine Lichtquelle: ein großes Fenster oder ein bis zwei Dauerlichter mit Softboxen.
- Einen Hintergrund: einen Bogen weißen Fotokarton, eine Schaumstoffplatte oder dickes Papier, groß genug, um sich hinter dem Produkt zu wölben.
- Aufheller: zwei oder drei weiße Schaumstoffplatten, um Schatten aufzuhellen.
- Einen Tisch in Fensternähe und etwas Klebeband oder Klemmen.
- Ein Handy oder eine Kamera, am besten mit Stativ oder einem stabilen Bücherstapel.
- Optional: ein Bogen Transparentpapier, ein weißer Duschvorhang oder ein dünnes Bettlaken, um grelles Sonnenlicht zu streuen.
Schritt 1: eine Hohlkehle bauen
Eine Hohlkehle ist ein Hintergrund, der sich ohne sichtbare Ecke von der Tischfläche die Wand hinaufwölbt. Ohne Ecke gibt es keine Horizontlinie hinter dem Produkt, und der Hintergrund wirkt wie ein gleichmäßiger Ton, der sich bei der Bearbeitung leicht reinweiß machen lässt.
Amazons Ratgeber für Verkäufer beschreibt die einfachste Version: Klemm einen dünnen, biegsamen, aber stabilen Bogen weißes Material am Tisch fest und kleb das andere Ende an die Wand dahinter, sodass er sich wölbt statt knickt. Für kleine Artikel leg das Material über einen Stuhl, der an einer Wand steht.
Tipps:
- Die Wölbung sanft halten. Ein enger Knick erzeugt eine Linie und einen Schatten, eine weite Wölbung nicht.
- Sauber halten. Staub und Knicke auf weißem Papier fallen in Nahaufnahmen auf. Ersetze den Bogen, wenn er Spuren hat.
- Platz hinter dem Produkt lassen. Rückt das Produkt auf der Hohlkehle nach vorn, weg von der Wölbung, wird der Hintergrund gleichmäßig.
Weiß ist die übliche Wahl, weil Marktplätze weiße Hauptbilder wollen. eBays Tipps erwähnen auch einfarbige Studiohintergründe, die bei hellen Artikeln besser funktionieren, die vor Weiß verschwinden würden.
Schritt 2: das Licht richtig setzen
Licht bringt Produktfotos weiter als jede Kamera. Das Ziel ist großes, weiches, gleichmäßiges Licht: Große Lichtquellen erzeugen weiche Schatten und sanfte Glanzlichter, kleine erzeugen harte Schatten und Blendung.
Fensterlicht (kostenlos)
- Stell Tisch und Hohlkehle neben ein großes Fenster, sodass das Fenster seitlich vom Produkt liegt, nicht dahinter und nicht hinter dir.
- Fotografiere tagsüber, aber ohne direkte Sonne auf dem Produkt. Scheint die Sonne direkt herein, streue sie, indem du ein Laken oder Transparentpapier vors Fenster hängst, wie Amazons Ratgeber empfiehlt.
- Stell einen weißen Aufheller auf die dem Fenster gegenüberliegende Seite, um die Schatten aufzuhellen.
- Schalte das Raumlicht aus. Tageslicht gemischt mit warmen Glühbirnen ergibt zwei Lichtfarben und einen orangen oder blauen Farbstich, der sich später schwer korrigieren lässt.
Fensterlicht ändert sich im Lauf des Tages, also fotografiere eine Serie in einer Sitzung und lass das Setup für jedes Produkt gleich.
Softboxen oder LED-Panels (wiederholbar)
Fotografierst du jede Woche Produkte, liefern Dauerlichter jedes Mal identische Ergebnisse, egal ob Tag oder Nacht. Amazons Ratgeber empfiehlt ein Hauptlicht vor dem Produkt und ein zweites Licht dahinter oder darüber, dazu weiße Schaumstoffplatten als Aufheller für die Schatten. Markiere, wo jedes Licht steht, etwa mit Klebeband auf dem Boden, damit du das Setup genau wiederholen kannst.
Nimm Lampen desselben Typs und derselben Farbtemperatur und verzichte auf den Kamerablitz. Amazon und eBay raten beide, den Blitz auszuschalten: Er erzeugt harte Spiegelungen und flache, harte Schatten.
Schritt 3: die Handykamera einstellen
Ein modernes Handy reicht für Marktplatzfotos mehr als aus. Ein paar Einstellungen machen den größten Unterschied.
- Nutze ein Stativ oder stütze das Handy ruhig ab. Amazon empfiehlt ein Stativ gegen Verwacklung, und es hält den Bildausschnitt über eine ganze Serie gleich.
- Nutze die Rückkamera, wie Amazons Ratgeber rät. Sie ist bei jedem Handy besser als die Frontkamera.
- Reinige die Linse. Ein Fingerabdruck ist die häufigste Ursache für milchige Produktfotos.
- Nicht digital zoomen. Geh lieber näher heran oder wechsle zu einem eingebauten Teleobjektiv, falls dein Handy eins hat. Das verringert auch die Verzerrung bei kleinen Produkten.
- Filter und Stile ausschalten. Du willst neutrale Farben, die du einheitlich bearbeiten kannst. eBays Tipps raten von Filtern ab.
- Weißabgleich am weißen Hintergrund setzen. Amazons Tipp für Smartphones ist, auf den weißen Hintergrund zu tippen, damit die Kamera sich daran ausrichtet.
Fokus und Belichtung am iPhone sperren
Die Kamera passt Fokus und Belichtung bei jeder Bewegung neu an, sodass eine Serie uneinheitlich wirkt. Laut Apples Anleitung tippst du am iPhone dorthin, wo scharfgestellt werden soll, ziehst neben dem Fokusbereich nach oben oder unten, um die Belichtung anzupassen, und hältst dann den Fokusbereich gedrückt, bis „AE/AF-Sperre“ erscheint. So bleiben die Einstellungen für die nächsten Aufnahmen erhalten. Tippe auf den Bildschirm, um die Sperre aufzuheben.
Ein weißer Hintergrund verleitet die Kamera oft zur Unterbelichtung, sodass Weiß grau aussieht. Zieh die Belichtung hoch, bis der Hintergrund hell ist, die Details des Produkts aber nicht ausfressen.
Weitere nützliche iPhone-Einstellungen aus Apples Anleitung:
- Raster und Wasserwaage: Einstellungen > Kamera > Raster und Wasserwaage, damit das Produkt gerade und mittig bleibt.
- Timer: 3, 5 oder 10 Sekunden, damit das Antippen des Auslösers das Handy nicht wackeln lässt.
- Seitenverhältnis: Wähle 1:1, wenn du auf Plattformen mit quadratischen Bildern verkaufst, dann kannst du gleich für den endgültigen Zuschnitt fotografieren.
Kamera-Apps unter Android haben ähnliche Funktionen für Fokus per Tippen, Belichtung und Gitterlinien, auch wenn die Namen je nach Hersteller abweichen.
Schritt 4: Perspektiven und Bildaufbau
Marktplätze belohnen klare Standardansichten mehr als kreative. Amazons Ratgeber merkt an, dass Standardperspektiven gegenüber allzu kreativen Winkeln und Anordnungen bevorzugt werden.
Ein guter Grundsatz an Fotos für die meisten Produkte:
- Von vorn, frontal, auf Höhe des Produkts. Das ist meist das Hauptbild.
- Dreiviertelansicht, um etwa 45 Grad gedreht, um Tiefe zu zeigen.
- Seite und Rückseite, vor allem bei Anschlüssen, Etiketten oder Verschlüssen.
- Von oben, für flache Artikel wie Karten, Schmuck und gefaltete Kleidung.
- Details: Struktur, Nähte, Etiketten, Größenangaben.
- Größenvergleich: das Produkt in einer Hand oder neben einem bekannten Gegenstand.
- Im Einsatz: eine Lifestyle-Aufnahme in echter Umgebung.
Zeig bei gebrauchten oder handgemachten Artikeln Mängel ehrlich. eBay bittet Verkäufer, alle Seiten zu zeigen sowie Nahaufnahmen von Strukturen, Etiketten, Schildern und allen Makeln, Schäden oder Gebrauchsspuren, und das erste Foto zum besten zu machen, da es in den Suchergebnissen erscheint.
Das Bild füllen. eBay bittet darum, den Artikel mittig zu platzieren und so viel vom Bild wie möglich zu füllen, und Amazons Ratgeber schlägt vor, dass das Produkt 85 % oder mehr des Bildes einnimmt. Lass einen kleinen, gleichmäßigen Rand, damit du auf das Format jeder Plattform zuschneiden kannst.
Schritt 5: Schatten kontrollieren
Schatten sagen dem Auge, dass das Produkt auf etwas steht. Ganz ohne Schatten kann ein Freisteller aufgeklebt wirken, ein großer dunkler Schatten dagegen unordentlich.
- Weicher Kontaktschatten: Ein heller, weicher Schatten direkt unter dem Produkt wirkt natürlich. Gestreutes Fensterlicht plus Aufheller ergibt meist genau das.
- Zu dunkel: Rück den Aufheller näher heran oder stell einen zweiten dazu.
- Harte Kanten: Das Licht ist zu klein oder zu direkt; streue es oder rück es näher ans Produkt, denn eine nähere Lichtquelle ist effektiv größer.
- Spiegelnde Produkte: Glas, Metall und glänzende Verpackungen spiegeln den Raum. Umgib sie mit weißen Karten, damit die Spiegelungen weiß sind, und dreh das Produkt leicht, bis helle Glanzpunkte verschwinden.
Schritt 6: auf reines Weiß oder transparent bearbeiten
Selbst mit einer guten Hohlkehle ist der Hintergrund auf dem Foto hellgrau, nicht weiß. Marktplätze meinen mit Weiß etwas Genaues: Amazon und Walmart verwenden RGB 255, 255, 255.
Auf reines Weiß
- Zuschneiden und begradigen auf dein endgültiges Seitenverhältnis, meist quadratisch.
- Belichtung und Weißabgleich anpassen, bis die Farben des Produkts stimmen.
- Den Hintergrund reinweiß machen. Entweder den Hintergrund aufhellen, bis er 255 erreicht, oder das Produkt freistellen und auf eine reinweiße Fläche setzen. Freistellen liefert sauberere Ergebnisse, weil Aufhellen auch helle Produkte ausbleicht.
- Mit der Pipette prüfen, dass die Ecken in deinem Editor 255, 255, 255 anzeigen.
- Ein JPEG exportieren in der Größe, die jede Plattform will. Die Übersicht der Produktfoto-Größen listet sie auf.
Auf transparent
Für deine eigene Website, Banner oder Marktplätze, die Lifestyle-Montagen erlauben, exportiere den Freisteller als PNG oder WebP mit transparentem Hintergrund. Nutze auf Etsy keine transparenten PNGs: Laut Etsy werden sie nicht unterstützt. Welches Format du nimmst, erklärt PNG, JPEG oder WebP.
Ein ehrliches Foto behalten
Etsys Richtlinie vom Oktober 2026 verlangt in jedem Angebot mindestens ein unbearbeitetes Foto des tatsächlichen Artikels vor einem echten Hintergrund; andere Fotos dürfen bearbeitet werden, wenn sie das Produkt weiterhin korrekt zeigen. Das ist überall eine gute Gewohnheit: Mach von jedem Produkt ein natürliches Foto, bevor du den Rest bearbeitest.
Eine kurze Checkliste
- Hohlkehle gewölbt, sauber und ohne Falten
- Fenster seitlich, Licht gestreut, Raumlicht aus
- Aufheller gegenüber dem Licht
- Handy auf Stativ, Rückkamera, Linse gereinigt, kein Zoom, keine Filter
- Fokus und Belichtung gesperrt, Hintergrund hell
- Standardperspektiven, Produkt füllt das Bild
- Auf Weiß mit RGB 255 bearbeitet für Angebote, transparentes PNG oder WebP für deine Website
- Ein unbearbeitetes Foto behalten
Ein ganzes Shooting schneller bearbeiten
Jedes Foto von Hand freizustellen ist der langsamste Teil der Arbeit. removebackground.dev nimmt ein ganzes Shooting an, bis zu 100 Bilder auf einmal, und liefert dir JPGs auf reinem Weiß oder transparente PNGs, sodass du die Zeit lieber ins Licht steckst.
Fragen
Welches Licht ist zu Hause am besten für Produktfotos?
Großes, weiches Licht: ein großes Fenster seitlich vom Produkt, direkte Sonne mit einem Laken oder Transparentpapier gestreut, dazu ein weißer Aufheller auf der Gegenseite. Für wiederholbare Ergebnisse zwei Dauerlichter mit Softboxen, eines vorn und eines dahinter oder darüber, wie Amazons Ratgeber vorschlägt.
Sollte ich für Produktfotos den Blitz verwenden?
Nein. Amazon und eBay raten beide, den Blitz auszuschalten, weil er harte Spiegelungen und harte Schatten erzeugt. Nimm stattdessen Fensterlicht oder Dauerlicht.
Wie bekomme ich einen reinweißen Hintergrund auf Produktfotos?
Fotografiere auf einer weißen Hohlkehle bei gleichmäßigem Licht und bearbeite danach. Entweder hellst du den Hintergrund auf, bis er RGB 255, 255, 255 erreicht, oder du stellst das Produkt frei und setzt es auf eine reinweiße Fläche. So bleichen helle Produkte nicht aus.
Kann ich Produktfotos mit dem Handy machen?
Ja. Nutze die Rückkamera auf einem Stativ, reinige die Linse, verzichte auf Digitalzoom und Filter, setze den Weißabgleich am weißen Hintergrund und sperre Fokus und Belichtung (am iPhone gedrückt halten, bis „AE/AF-Sperre“ erscheint).
Wie viele Produktfotos sollte ich machen?
Amazon empfiehlt mindestens sechs Bilder, Walmart mindestens vier, und eBay erlaubt bis zu 24. Ein typischer Satz besteht aus Vorderseite, Dreiviertelansicht, Seite, Rückseite, Details, Größenvergleich und einer Aufnahme im Einsatz.
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Hintergrund entfernenQuellen
- Amazon: How to take product photos (seller blog)
- eBay Seller Center: Photo tips
- Apple Support: Use iPhone camera tools to set up your shot
- Walmart Marketplace Learn: Product detail page image guidelines and requirements
- Etsy: Listing Image Requirements policy
- Etsy Help: Requirements and best practices for images in your Etsy shop